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Vegane Wurst darf weiter Wurst heißen

Der Agrarminister wollte "Fleischbezeichnungen" für pflanzliche Produkte verbieten.

Der Vegan-Trend macht der Fleisch-Lobby Angst – unsere Vegane Thuringen etwa sei "eine Gefahr für die echte Thüringer"; mehr dazu hier.

16.08.2017

Begriffe wie "vegetarisches Schnitzel" oder "vegane Wurst" sind für Christian Schmidt "komplett irreführend und verunsichern die Verbraucher". Das verkündete der Bundesagrarminister Ende 2016 passenderweise in einem Interview mit der Bild, die den Artikel dazu mit einem Foto der Merguez von Wheaty schmückte.

Mit dem Vorstoß übernahm Schmidt die Belange des Deutschen Fleischer-Verbands und des Deutschen Bauernverbands, welche die beiden Organisationen im April 2016 formulierten, eins zu eins. In Niedersachsen, einer Hochburg der Fleischproduktion, hatte die CDU deren Forderungen bereits im Oktober übernommen.

Nun muss der Minister wohl eine Schlappe hinnehmen: Die Deutsche Lebensmittelbuchkommission (DLMBK) hat ihren Leitsatz für vegane und vegetarische Produkte den Verbänden und Bundesländern zur Konsultation zugeleitet, und ein Verbot von "Fleischbezeichnungen", wie vom Minister gefordert, ist darin nicht vorgesehen.

Dem Entwurf zufolge, der etwa der Redaktion der Seite fleischwirtschaft.de schon vorliegt, ist eine Anlehnung an allgemeine Bezeichnungen wie "Schnitzel" oder "Wurst" weiterhin möglich; die Abweichung muss lediglich durch die Begriffe vegetarisch oder vegan erkenntlich sein und der Hauptersatzstoff für die tierischen Komponenten angegeben werden. Nur nähere Bezeichnungen, die sich an Teilstücke, Tierarten oder Wurstsorten anlehnen, sind dem Entwurf nach nicht vorgesehen, dürfen aber zur Orientierung verwendet werden, etwa als "vegane Seitan-Wurst nach Salami-Art".

Der Fachausschuss der DLMBK hat die Verbändeanhörung dazu gestartet. Die Verbände haben nun noch sechs Wochen Zeit, Stellung zu nehmen. Das Bundesernährungsministerium wollte sich auf eine Presseanfrage der Berliner Morgenpost hin nicht zum Sachverhalt äußern. Das Vorhaben des Agrarministers, "Fleischbezeichnungen" für vegetarische und vegane Produkte generell zu verbieten, dürfte damit jedenfalls vom Tisch sein.