11. Dezember:
Vive la révolution!

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Der Genfer Philosoph und Auf­klärer Jean-Jaques Rousseau gilt als theoretischer Weg­be­rei­ter der Französischen Revolution. Aber er war auch Vegetarier und ent­wickel­te ei­ne ei­ge­ne Tierrechts-Theorie.

„Niemand hat es mit mehr Geist unternommen, uns zu Tieren zu machen, als Sie; das Lesen Ihres Buches erweckt in einem das Bedürfnis, auf allen Vieren herumzulaufen“, nimmt der Aufklärer Voltaire – selbst Vegetarier – in einem Brief an Rousseau dessen Naturverklärung auf die Schippe. Die berühmte Aufforderung „Zurück zur Natur!“ findet sich bei Rousseau nicht wörtlich, wurde aber als der Sinn seiner gesellschaftskritischen Schriften angesehen. Im Brief Voltaires geht es um Rousseaus 1755 veröffentlichten Diskurs über die Ungleichheit. Der Phi­losoph ging darin von einem natürlichen Impuls der Empathie aus, der uns ohne Reflexion zur Un­ter­stützung jener veranlasst, die wir leiden sehen – „das Mitleid wird umso nachdrücklicher sein, je inniger sich das Tier, das zusieht, mit dem Tier, das leidet, identifiziert“, schrieb er. Für ihn lag auf der Hand, dass Tiere wie Menschen Schmerz und Trauer empfinden können: „Ein Tier geht nicht ohne Unruhe an einem toten Tier seiner Art vorüber: Es gibt sogar welche, die ihnen eine Art von Begräbnis zuteil werden lassen; und das traurige Brüllen des Viehs, wenn es ins Schlachthaus hineinkommt, weist auf den Eindruck hin, den es von dem entsetzlichen Schauspiel erhält, das sich ihm eröffnet.“ Diese Beobachtung war für ihn ausschlaggebend, Tieren Rechte zuzugestehen.

Mit seinen Schriften hat Rousseau aber nicht nur eine Tierrechtsdebatte angestoßen, sondern vor allem auch Generationen von Vegetariern beeinflusst. In seinem pädagogischen Hauptwerk Émile oder über die Erziehung (1762) heißt es, wenn zu früh damit angefangen werde, im Kind die ursprünglichen, natürlichen Gefühle, Neigungen und Bedürfnisse mit aufgezwungenen Idealen, anerzogenen Gewohnheiten und unverstandenen Pflichten zu unterdrücken, so bringe man einen entzweiten Menschen hervor. Von sich aus seien Kinder Fleischgerichten gegenüber gleichgültig und gäben pflanzlicher Nahrung den Vorzug; es sei daher „wichtig, diesen ur­sprüng­lich­en Geschmack nicht zu verfälschen und die Kinder nicht zu Fleischessern zu mach­en. Und das nicht nur wegen ihrer Gesundheit, sondern wegen ihres Charakters“. Diesen Wor­ten ließ Rousseau eine Übersetzung aus Plutarchs Abhandlungen Über das Essen von Fleisch fol­gen, was zeigt, dass er auch vom antiken Vegetarismus inspiriert war.

Rousseaus Kritik stand, wie es in einem Artikel zum Thema heißt, „im Kontext der Eman­zi­pa­ti­on des Bürgertums, das der Opulenz, Verschwendung und vermeintlichen Gefühlskälte des höfischen Adels Selbstzucht, Bescheidenheit und Empathie entgegensetzte“. Wie die Ideen von Voltaire beinflussten auch seine Thesen das Aufbegehren gegen die alte Ge­sell­schafts­ord­nung des Adels, und so spielte auch der Vegetarismus in der Französischen Revolution eine ge­wis­se Rolle. In seinem 2006 erschienenen Buch The Bloodless Revolution schreibt der bri­tische Historiker Tristram Stuart sogar, dass in den revolutionären 1780er- und 1790er-Jahren die fleischlose Ernährung der unteren Klassen „zum ultimativen Zeichen revolutionären Eifers“ geworden sei. Deutlich wird dies beispielsweise anhand zeitgenössischer englischer Ka­ri­ka­tu­ren – so wären etwa die „Consequences of a Successful French Invasion“ (1798) für den eng­lisch­en Zeichner James Gillray gewesen, dass die französischen Revolutionäre die Engländer da­zu gezwungen hätten, ihr Nationalgericht Roastbeef zugunsten der Kultivierung von Rüben und Zwiebeln aufzugeben, und in der Karikatur „French Liberty, British Slavery“ (1792) stellte er ironisch der „französischen Freiheit“, symbolisiert durch einen dünnen, Pflanzen essenden Mann mit einer Jakobinermütze, die „englische Sklaverei“ entgegen: Einen korpulenten, rot­back­ig­en Engländer, der Fleisch isst.

Ein herausragendes Beispiel für einen vegetarischen Revolutionär zu dieser Zeit ist der Eng­län­der John Oswald. Heute fast vergessen, war er zu Lebzeiten überaus populär, vor allem na­tür­lich in Frank­reich, wo er an der Seite des Volkes in der Französischen Revolution kämpfte und für seine Verdienste auch zum Ehrenbürger ernannt wurde. Sein 1791 publizierter Text The Cry of Nature; or, an Appeal to Mercy and to Justice, on Behalf of the Persecuted Animals gilt als frühes Denkmodell des Tierbefreiungsgedankens. Im Vorwort der Neuausgabe, die, nachdem das Werk über 200 Jahre lang vergessen war, im Jahr 2000 wieder publiziert wurde, ist Oswald mit folgenden Worten charakterisiert: „Als Schriftsteller und Verfasser von Pam­phlet­en, der mehrere Sprachen beherrschte, als revolutionärer Militär und Soldat, Pythagoreer, Athe­ist und Verfechter des Gemeineigentums, steht Oswald für eine systematisch ent­wor­fe­ne Vision von Freiheit, in der alle Geschöpfe mehr als nur Rechte erhalten: Sie werden befreit.“ Inspiriert vom re­li­gi­ös begründeten Vegetarismus Indiens – wo er sich seit 1780 aufgehalten hat­te – und von den Schriften Rousseaus forderte er bereits, was die heutige Tier­be­frei­ungs­be­we­gung mit dem Schlagwort von der „Befreiung von Mensch und Tier“ zum Ausdruck bringt.


Unsere Chorizo-Produkte brachten eine kleine geschmackliche Revolution, weshalb etwa der Spacebar Chorizo 2008 als „bestes tierfreies Würstchen“ mit demProgress Award“, den die Tier­rechts­or­ganisation People for the Ethical Treatment of Animals (PETA) für „tierischen“ Fort­schritt in den Bereichen Wirtschaft und Kultur vergibt, ausgezeichnet wurde. Heute ver­lo­sen wir fünf­mal eine komplette Chorizo-Pro­dukt­palette, neben dem Spacebar also Slices Cho­ri­zo, Chorizo-Bratwurst und Gran Chorizo!

Peter Brang: Ein unbekanntes Russland. Kulturgeschichte vegetarischer Lebensweisen von den Anfängen bis zur Gegenwart, Köln 2002, S. 97.

Günther Stolzenberg: Tolstoi, Gandhi, Shaw, Schweitzer: Harmonie und Frieden mit der Natur, Göttingen 1992, S. 38.

Brief vom 30.8.1755. Klaus Luttringer: Weit, weit... Arkadien. Über die Sehnsucht nach dem anderen Leben, Würzburg 2000, S. 26.

Jean-Jaques Rousseau: Diskurs über die Ungleichheit. Discours sur l´inégalité. Kritische Ausgabe des integralen Textes. Mit sämtlichen Fragmenten und ergänzenden Materialien nach den Originalausgaben und den Handschriften neu ediert, übersetzt und kommentiert von Heinrich Meier, Paderborn, München, Wien u.a. 1984, S. 147, S. 143.

Jean-Jaques Rousseau: Émile oder Über die Erziehung. Vollständige Ausgabe. In neuer deutscher Fassung besorgt von Ludwig Schmidts, 11. Auflage, Paderborn, München, Wien u.a. 1993, S. 144.

Hasso Spode: Der Kreuzzug der „Kohlrabi-Apostel“. Die Ursprünge des Vegetarismus, folio.nzz.ch, April 1997.

Tristram Stuart: The Bloodless Revolution. Radical Vegetarians and the Discovery of India, London 2006, S. 303.

John Oswald: The Cry of Nature; or, an Appeal to Mercy and to Justice on Behalf of the Persecuted Animals. Edited by Jason Hribal, Lewiston, Queenston, Lampeter 2000, S. 11.

Übrigens zusammen mit dem englischen Philosophen Jeremy Bentham, der im Jahr der Französischen Revolution, 1789, folgende Worte schrieb: „Es gab eine Zeit, und es betrübt mich zu sagen, dass sie an vielen Orten noch immer andauert, zu der das Gesetz den größeren Teil der Spezies unter der Bezeichnung Sklave ebenso behandelte wie zum Beispiel heute noch in England die Tiere. Der Tag möge kommen, an dem auch den übrigen lebenden Geschöpfen die Rechte gewährt werden, die man ihnen nur durch Tyrannei vorenthalten konnte. Die Franzosen haben bereits erkannt, dass die Schwärze der Haut kein Grund ist, einen Menschen schutzlos den Launen eines Peinigers auszuliefern. Eines Tages wird man erkennen, dass die Zahl der Beine, die Behaarung der Haut und das Ende des os sacrum sämtlich unzureichende Gründe sind, ein empfindendes Lebewesen dem gleichen Schicksal zu überlassen.“ Es folgt der berühmte Satz: „Die Frage ist nicht ‚Können sie denken?‘ oder ‚Können sie reden?‘, sondern ‚Können sie leiden?‘“ (Jeremy Bentham: An Introduction to the Principles of Morals and Legislation. A new edition, corrected by the author, London 1828, S. 235f.).