13. Dezember:
Ein Königreich für Tiere

Mitmachen und alle Sorten unserer Veganen Slices gewinnen!

Von England gingen immer wieder entscheidende Impulse für den Vegetarismus aus. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert entstand dort eine fortschrittliche Tierrechtsbewegung.

England hat eine lange vegetarische Tradition. So berichtet etwa der Historiker Tristram Stuart über die Zeit des Englischen Bürgerkriegs, der von 1642 bis 1649 zwischen royalistischen und de­mo­kratischen Kräften ausgetragen wurde: „Im radikalen Flügel der parlamentarischen Frak­ti­on drückten puritanische Verfechter der Demokratie ihren Dissens zum etablierten Luxus durch Vegetarismus aus und riefen nach einer unblutigen Revolution, um eine Gesellschaft der Gleichheit ohne Schlachtungen einzurichten.“ Der revolutionäre Dichter John Milton, Verfasser von Paradise Lost (1667), war Vegetarier; andere, wie Roger Crab, ernährten sich vegan. Der Au­tor Jason C. Hribal zählt 26 solcher „early Pythagoreans“ auf, deren Namen noch überliefert sind. So wurden Vegetarier und Veganer, in Anlehnung an Pythagoras, damals genannt.

Der Begriff „vegetarian“ kam erst im Laufe des 19. Jahrhunderts auf. Im Jahr 1838 eröffnete James Pierrepont Greaves, der sich, beeinflusst von Lambe und Newton, seit 1817 vegan er­nähr­te, in Surrey die Alcott House Academy, ein veganes Schulungszentrum, deren Mitglieder jegliche Nutzung von Tieren aus ethischen Gründen ablehnten. In der Academy, die bis 1848 exis­tier­te, scheint das Wort „vegetarian“ aufgekommen zu sein. Sein erster nachweislicher Ge­brauch findet sich dokumentiert in The Healthian, dem Magazin des Alcott House, vom April 1842. Die Art und Weise, wie es dort gebraucht wird, zeigt, dass es bereits geläufig war. Zudem scheint es vor 1847 ausschließlich mit der Bedeutung des heutigen „vegan“ gebraucht worden zu sein. So könnte man sagen, dass mit der 1843 im Alcott House gegründeten „British and Foreign Society for the Promotion of Humanity and Abstinence from Animal Food“ eigentlich bereits so etwas wie eine erste „vegane Gesellschaft“ entstand, die allerdings später keine Rolle mehr spielte. Bereits im Jahr 1800 hatte der Reverend William Cowherd in Salford die Bible Christian Church gegründet, deren 400 Mitglieder sich vegetarisch ernährten. Sie und die Mitglieder der Alcott House Academy bildeten den Nukleus der Vegetarian Society, deren Grün­dung im Jahr 1847 Christian Koeder folgendermaßen beschreibt: „Alcott House (vegan, finanziell mittellos, London) und die Bible Christian Church (ovo-lacto-vegetarisch, wohl­habend, Manchester) gründen in Remsgate (Kent, Südengland) gemeinsam die britische Vegetarian Society – mit dem Kompromiss, allein den Verzicht auf Fleisch zu fordern.“

Die Bible Christian Church bot me­di­zi­nische Hilfe und eine Suppen­küche an, was sie für die ärmere Be­völkerung attraktiv machte, und in ihren Predigten pro­pagierten Cowherd und sein Nach­folger, der Baumwollspinner Joseph Brotherton, De­mo­kra­tie und Menschen­rechte. „Die Mitglieder dieser vegetarischen Kirche können damit zweifels­frei den politischen Radikalen zu­geordnet werden“, schreibt Mieke Roscher in Ein Königreich für Tiere. Die entstehende ve­ge­ta­rische Bewegung war daher eng verbunden mit anderen fortschrittlichen Bewegungen wie jener der Abolitionisten, die für die Abschaffung der Sklaverei eintraten, oder der Suffragetten, die das Wahlrecht für Frauen forderten. Personelle Überschneidungen gab es auch zwischen der vegetarischen Food Reform Society und der sozialistischen Fabian Society. Nahezu alle Mit­glieder beider Gesellschaften waren Vegetarier. Zu ihnen gehörte auch der bekannte Schrift­steller George Bernard Shaw, der nach der Lektüre der Werke von Percy Shelley Ve­ge­ta­ri­er geworden war. Ende der 1880er-Jahre trafen er und andere Mitglieder der Fabian Society sich häufig in Tilford im Haus eines Mannes namens Henry Stephens Salt. Salt gründete 1891 die Humanitarian League, die sich wöchentlich in einem der vegetarischen Restaurants in London trafen – es gab 34 davon in der Stadt. Acht Jahre später gehörten ihr bereits 550 Mit­glieder an. Tierrechtskampagnen dominierten die politische Arbeit der Gesellschaft, aber sie wandte sich auch gegen andere Formen von Gewalt und Unterdrückung. Für Salt hing das alles zusammen: „Die Emanzipation der Menschen von Grausamkeit und Ungerechtigkeit wird mit der Zeit auch die Befreiung der Tiere mit sich bringen. Die beiden Reformen sind untrennbar mit­einander verbunden und können nicht alleine verwirklicht werden“, heißt es in seiner Auto­biografie.

Heute wenig bekannt, hatte Salt in seiner Zeit einigen Einfluss. So kaufte beispielsweise im Jahr 1888 ein 18-jähriger Inder namens Mohandas, der für sein Jurastudium nach London ge­zo­gen war, in einem vegetarischen Restaurant in der Farrington Street Salts Schrift A Plea for Vegetarianism (1886), woraufhin er der Vegetarian Society beitrat. Schon zuvor hatte er auf­grund seiner kulturellen Prägung kein Fleisch gegessen, aber, so sollte er Jahrzehnte später be­richten: „Seit dem Moment der Lektüre dieses Buches kann ich behaupten, aus eigener Wahl Ve­ge­ta­ri­er gewesen zu sein. Nun war die Wahl ge­troffen zu­gunsten des Ve­ge­tarismus, dessen Aus­breitung fortan meine Mission wurde.“ Zu diesem Zeit­punkt hatte er bereits welt­weite Po­pu­la­ri­tät erlangt – unter dem Namen Mahatma Gandhi.


Koenigreich.jpegAls „slices“ bezeichnet man im Englischen geschnittene Scheiben, und genau das sind unsere Slices auch: Leckerer Aufschnitt für Sandwiches oder als Zutat zum Kochen, etwa für Champignoncremesuppe mit Wheaty-Chips. Wir ver­lo­sen heute fünf Pakete mit all unseren Aufschnitten: Slices vom Rauch, Salami, Paprika-Lyoner und Chorizo. Außerdem zweimal das Buch von Mieke Roscher über die Geschichte der britischen Tierrechtsbewegung.

Tristram Stuart: The Bloodless Revolution. Radical Vegetarians and the Discovery of India, London 2006, S. XX.

Jason C. Hribal: Animals, Agency, and Class. Writing the History of Animals from Below, in: Human Ecology Review 14/1, 2007, S. 101-112, S. 106.

Mieke Roscher: Ein Königreich für Tiere. Die Geschichte der britischen Tierrechtsbewegung, Marburg 2009, S. 105.

Henry S. Salt: Seventy Years Among Savages, London 1921, S. 122.

Günther Stolzenberg: Tolstoi, Gandhi, Shaw, Schweitzer: Harmonie und Frieden mit der Natur, Göttingen 1992, S. 41f.

Die Parole, die auf dem Titelbild seines Werks The English Hermite (1655) aus seinem Mund dringt, lautet: „Herbes and Roots“ – Kräuter und Wurzeln. „Die Lebensweise, die er seit 1641 angenommen hat und die man heute als eine vegane bezeichnen würde, ist Ausdruck der Kritik an politischer und ökonomischer Ungerechtigkeit. [...] Crabs Schriften kritisieren die Gesellschaft des siebzehnten Jahrhunderts im Allgemeinen und soziale Institutionen wie die Kirche sowie den Landbesitz im Besonderen. Letzterer war einer der wichtigsten Faktoren der sozialen Ungleichheit“ (Matthias Rude: Antispeziesismus. Die Befreiung von Mensch und Tier in der Tierrechtsbewegung und der Linken, Stuttgart 2013, S. 33f.).

Auch bereits in einem der ersten amerikanischen Werke, das sich ausschließlich dem Abolitionismus widmet, sind die Argumente gegen die Sklavenhaltung und für den Veganismus nicht zu trennen. Es handelt sich um All Slave-Keepers that Keep the Innocent in Bondage (1737) von Benjamin Lay, gedruckt von Benjamin Franklin, der in seiner Jugend selbst zeitweise der vegetarischen Idee anhing. Lays Wunsch, die „Unschuldigen, die in Ketten gehalten“ werden, zu befreien, betraf auch Tiere: Er wollte keine Erzeugnisse gebrauchen oder Dienstleistungen in Anspruch nehmen, die das Ergebnis von Sklavenarbeit waren – ob diese nun von Menschen oder von Tieren verrichtet werden. Lay beeinflusste nachfolgende Generationen von Gegnern der Sklaverei, die seine Praxis teilweise annahmen und fortführten.

Christian Köder: Veganismus, Ellwangen 2014, S. 8.

Rod Preece: Sins of the Flesh. A History of Ethical Vegetarian Thought, Vancouver 2009, S. 12.