7. Dezember:
Paradise Lost

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Im Gegensatz zu fernöstlichen kulturellen Traditionen war Vegetarismus in Judentum und Christentum nie „Mainstream“; dennoch gibt es auch in diesen Religionen entsprechende An­sätze.

„Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäu­me mit samenhaltigen Früchten; euch sollen sie zur Nahrung dienen“, heißt es im 1. Buch Mose – laut der Genesis waren die ersten Menschen im Garten Eden also Veganer. In diesem Punkt gleicht die biblische Mythologie den Vorstellungen der Griechen und Römer von einem „Gol­denen Zeitalter“ am Beginn der Menschheitsgeschichte. Entsprechend wurde die Achtung vor allen Kreaturen von jüdischen Gelehrten auch als „edenisch“ bezeichnet, und es gibt eine Über­lieferung, die besagt, dass die Menschen diesen paradiesischen Zustand wieder erreichen würden, wenn der Messias komme. „In diesem Sinne sind bereits viele jüdische Denker Ve­ge­ta­ri­er geworden, um als Vorbereitung auf die Ankunft des Messias eine neue, höhere Stufe spi­ri­tu­el­ler Größe zu erreichen“, heißt es in einem Buch über Vegetarismus in den Weltreligionen. Erst Ende September forderten sogar mehr als 70 Rabbiner Menschen mit jüdischem Glauben welt­weit dazu auf, aus Mitgefühl für Tiere zur veganen Ernährung zu wechseln.

Israel gehört heute zu den Ländern, in denen Vegetarismus verbreitet ist – schon etwa fünf Pro­zent der Bevölkerung leben vegan, allein in Tel Aviv gibt es über 400 vegane Restaurants. Das israelische Dorf Amirim wurde 1956 von einer Gruppe Vegetarier gegründet; inzwischen le­ben 1300 Menschen dort, und das ganze Dorf ist inzwischen nicht nur vegetarisch, sondern vegan. Dass die vegane Ernährung in Israel beliebt ist, liegt sicher auch daran, dass vegane Ge­richte immer „koscher“ sind, also nach den jüdischen Speisegesetzen erlaubt. Der Koch und Food-Designer Itay Novik, der aus Tel Aviv stammt und in Berlin-Neukölln wohnt, meint, für ihn und seine jüdischen Freunde sei es praktisch, vegetarisch oder vegan zu leben: „Wenn du vegan lebst, ist es viel einfacher zu reisen. Ich kenne viele orthodoxe Leute, die in ein ve­ganes Restaurant gehen, weil sie wissen: Da gibt es weder Milch noch Fleisch oder Eier. Damit sind sie ‚sicher‘ und müssen nicht so viel fragen.“

Milch, Fleisch und Eier kamen auch bei Christen in der Fastenzeit ursprünglich nicht auf den Tisch. Vor allem das Fasten in den Wochen vor Ostern wurde über Jahrhunderte streng ein­ge­hal­ten. Die Adventswochen waren ursprünglich ebenfalls eine Fastenzeit; insgesamt kannte das katholische Kirchenjahr 166 Fastentage, und einzelne Mönchsorden verzichteten das gan­ze Jahr über auf Fleisch. Manche sprechen außerdem von einer asketisch-vegetarischen Strömung innerhalb der ersten Christengemeinden, die neu-pythagoreischen Idealen nahe­ge­stan­den haben soll. Tatsächlich gibt es Hinweise darauf. So berichten die frühen Kirchen­schrift­stel­ler übereinstimmend, dass Jakobus sich vegan ernährt haben soll. „Er aß nichts von einem Tier“, heißt es beispielsweise bei Epiphanius von Salamis. Mit dieser Lebensweise soll der Bruder von Jesus 96 Jahre alt geworden sein. Epiphanius, ein Bischof, der auf Zypern lebte, berichtet auch, dass Jakobus „nur einen leinenen Überwurf“ getragen habe; dies war auch die Klei­dung der Pythagoreer. Über den Jünger Matthäus schrieb Clemens von Alexandrien, dieser habe allein von Pflanzenspeisen gelebt. Im Brief des Paulus an die Römer, der ungefähr auf das Jahr 55 datiert wird, wird deutlich, dass es in der christlichen Gemeinde der Stadt zwei Frak­ti­on­en gab: Diejenigen, die glaubten, sie dürften alles essen, und diejenigen, die kein Fleisch – nach Tertullian: „nur Gemüse“ – aßen. Offenbar gab es darüber eine Diskussion, denn Paulus schreibt: „Streitet nicht über Meinungen.“ Sein Tipp lautet: „Es ist zwar alles rein; aber es ist nicht gut für den, der es isst mit schlechtem Gewissen. Es ist besser, du isst kein Fleisch und trinkst keinen Wein und tust nichts, woran dein Bruder Anstoß nimmt.“ Auch Tertullian, der um 220 starb, berichtet von Christen, die sich „der Fleischspeisen enthalten“.

Dies sollte sich allerdings bald drastisch ändern. „Die meisten von ihnen enthalten sich der Fleisch­spei­sen, und durch diese scheinbare Enthaltsamkeit verführen sie viele“, wetterte schon ums Jahr 180 Irenäus gegen „Häretiker“. Im Jahr 380 wurde das Christentum in einer Form, die das Fleischessen ausdrücklich billigte, zur Staatsreligion im Römischen Reich erklärt – und die Verfolgung von anderen Strömungen angekündigt: „Die übrigen, die wir für wahrhaft toll und wahnsinnig erklären“, heißt es im kaiserlichen Dekret, soll „göttliche Vergeltung, dann aber auch unsere Strafgerechtigkeit ereilen“. Da bestimmte Gruppen, deren Überzeugungen als „Irr­lehren“ betrachtet wurden, das Essen von Fleisch ablehnten, war Vegetarismus fortan ver­däch­tig. Der iroschottische Mönch Pelagius und seine Anhänger etwa, die an die „Gegenwart von Gottes Geist“ in jedem Geschöpf glaubten, wurden im Jahr 418 verurteilt und ex­kom­mu­ni­ziert, ägyptische Mönche wurden verpflichtet, an Sonntagen Fleisch zu essen, um die „Hä­re­ti­ker“ unter ihnen zu überführen. Eine unrühmliche Entwicklung nahm ihren Lauf: Die Chris­ten­heit, meinte der Kirchenkritiker Karlheinz Deschner einmal, die sich rühme, das Tieropfer ab­ge­schaf­ft zu haben, habe „mehr Tiere geopfert als jede andere Religion – nur nicht mehr Gott, son­dern dem eigenen Bauch“.

„Es gibt sowohl im Judentum als auch im Christentum eine lange und anhaltend negative Tra­di­ti­on hinsichtlich der Tiere“, stellen ein anglikanischer Geistlicher und ein Rabbiner gleich zu Be­ginn eines ge­mein­samen Werks zum Thema fest. Den­noch gab und gibt es auch in diesen Re­li­gi­on­en immer wieder tier­freundliche Strömungen. So war beispiels­weise ein Teil der ve­ge­ta­ri­schen Bewegung im England des 19. Jahrhunderts christlich geprägt. Und auch heute tut sich wieder etwas. Die Aktion Kirche und Tiere etwa setzt sich für vegetarische oder vegane Er­nähr­ung ein. Kurt Remele, Professor für Ethik und christliche Gesellschaftslehre an der Uni­ver­si­tät Graz und Autor des Buches Die Würde des Tieres ist unantastbar – Eine neue christ­liche Tierethik (2016) lebt vegan, ebenso wie der Pfarrer Friedrich Laker aus Dortmund, der die Über­zeu­gung vertritt: „Das Tier hat genauso eine Würde wie der Mensch.“


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Genesis 1,29. – Nach der „Sintflut“ heißt es dann allerdings: „Furcht und Schrecken vor euch soll sich auf alle Tiere der Erde legen, auf alle Vögel des Himmels, auf alles, was sich auf dem Erdboden regt, und auf alle Fische des Meeres; in eure Hand sind sie gegeben. Alles, was sich regt und lebt, soll euch zur Nahrung dienen. Das alles übergebe ich euch wie die grünen Pflanzen. Nur Fleisch mit seinem Leben, seinem Blut, dürft ihr nicht essen.“ Im 3. Buch Mose werden detaillierte Vorschriften zur Darbringung von Tieropfern gegeben, und im 5. Buch Mose heißt es: „Wenn der Herr, dein Gott, dein Gebiet vergrößert, wie er es dir zugesagt hat, und du, weil du Appetit auf Fleisch hast, sagst: Ich möchte gern Fleisch essen, dann darfst du so viel Fleisch essen, wie du möchtest.“

Steven Rosen: Die Erde bewirtet euch festlich. Vegetarismus und die Religionen der Welt, Satteldorf 1992, S. 62.

Society & Culture: Veganism (February 2016), jewishvirtuallibrary.org.

Amirim – das erste vegane Dorf der Welt in Israel, newsbuzzters.com, 18.3.2016.

Simon Rocker: Rabbis call on Jews to adopt a vegan diet, thejc.com, 27.9.2017

Armin Risi, Ronald Zürrer: Vegetarisch leben. Vorteile einer fleischlosen Ernährung. 10., aktualisierte Auflage, Zürich, Jestetten 2012, S. 117.

Gabriele Höfling: „Vegetarisches Essen ist Christenpflicht“, katholisch.de, 1.6.2016.

Samuel Acker: Vegetarismus im Christentum: Dürfen Christen Tiere essen?, deutschlandfunk.de, 4.1.2016.

Barbara Zillmann: Jüdische Speisegesetze im Wandel: „Fleisch aus Tierfabriken, wie kann das koscher sein?“, rbb24.de, 29.7.2017.

Andrew Linzey, Dan Cohn-Sherbok: After Noah: Animals and the Liberation of Theology, London 1997, S. 2.

Kurt Remele: Die Würde des Tieres ist unantastbar. Eine neue christliche Tierethik, Kevelaer 2016, S. 94.

Matthias von Hellfeld: Christentum wird zur Staatsreligion im Römischen Reich – 27. Februar 380, dw.com, 19.1.2009.

Karlheinz Deschner: Das schwärzeste aller Verbrechen: Christen gegen die Kreatur. Eine Polemik, Die Zeit 35/1997.

Carl Anders Skriver: Die Regel der Nazoräer im zwanzigsten Jahrhundert, Berlin-Dahlem 1960, S. 64 (Skriver zitiert an dieser Stelle Walther Völker).

Am bekanntesten ist die Stelle bei Jesaja: „Der Wolf findet Schutz beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Junge leitet sie. Kuh und Bärin nähren sich zusammen, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter und zur Höhle der Schlange streckt das Kind seine Hand aus.“ – Propheten wie Jesaja oder auch Amos übten auch Kritik an den (Tier-)Opfern. In der Forschung wird allerdings gestritten, ob diese prinzipieller Art war oder sich nur auf Missstände beschräntke, den Kult als solchen aber nicht in Frage stellte (Rainer Kessler: Kultkritik (AT), bibelwissenschaft.de, Mai 2008). So heißt es etwa in einem 2001 erschienenen Buch hierzu: „Was die ‚Opferkritik‘ der alttestamentlichen Propheten angeht, ist die Behauptung, die Propheten hätten eine kultfreie ethische Religion gefordert, nicht haltbar. Sie haben den Kult zwar kritisiert und bekämpft, ihm aber nicht einfach das Ethos entgegengesetzt. Sie eiferten gegen den Kult, weil er ihnen als ein Betrug an Jahwe erschien. Ohne Frömmigkeit ist der Kult für die Propheten Sünde“ (Gilberto da Silva: Am Anfang war das Opfer. René Girard aus afroindiolateinamerikanischer Perspektive, Münster 2001, S. 109).

„166 Fastentage hat das katholische Fastenjahr, besonders die Fastenzeit vor Ostern wurde über Jahrhunderte streng eingehalten. Alle tierischen Produkte waren verboten“ (Terra X: Die Geschichte des Essens (2/3), zdf.de, 17.7.2016). – „Früher waren auch Milch und Eier verboten“, heißt es auch in einem kulturgeschichtlichen Werk, und: „Immer neue Zubereitungen mit Mandelmilch oder Mandelkäse wurden als Ersatz für das Tierprodukt erfunden“ (Gert v. Paczensky, Anna Dünnebier: Leere Töpfe, volle Töpfe. Die Kulturgeschichte des Essens und Trinkens, München 1994, S. 281).

Clemens von Alexandrien: Paidagogos (Paedagogus) II,1,16.

Insbesondere unterteilen die jüdischen Speisegesetze in „fleischige“ (בשרי), „milchige“ (חלבי) und „neutrale“ (פרווה) Lebensmittel. Der gleichzeitige Verzehr von Fleisch- und Milch-Speisen ist verboten, was aus dem Gebot „Das Junge einer Ziege sollst du nicht in der Milch seiner Mutter kochen“ (Ex. 23,19) abgeleitet wird. Es gibt viele koschere Restaurants, die entweder nur „milchige“ oder nur „fleischige“ Gerichte anbieten, in anderen wird eine Milchküche und eine Fleischküche eingerichtet, die die strikte Trennung der Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen und deren Küchengeräten ermöglichen. Sämtliche Obst-, Gemüse- und Getreidesorten sind „neutral“.