8. Dezember:
„Halal Bubble“

Mitmachen und 5x Vegane Merguez gewinnen!

Wie Juden- und Christentum ist der Islam nicht gerade für Vegetarismus bekannt. Aber es gibt gewisse vegetarische Traditionen, einzelne Theologen fordern heute sogar zu einer ve­ga­nen Ernährung auf.

„Als er eines Nachmittags von seinem Mittagsschlaf erwachte, fand er eine kleine, kranke Kat­ze, die auf dem Rand seines Um­hangs schlief. Der Prophet schnitt das Stück seines Umhangs ab, so dass die Katze ungestört weiterschlafen konnte.“ – Diese und wei­te­re Geschichten, die seine Achtung vor Tieren betonen, finden sich in den Lebensbeschreibungen Mohammeds. Jeder, der einem Tier Gutes tut, werde belohnt, soll er gesagt haben, und auch: „Wo es Ge­müse im Überfluss gibt, dort werden sich Heerscharen von Engeln niederlassen.“ Ein anderer über­lief­er­ter Satz lautet: „Wenn jemand grundlos einen Spatz tötet, so wird dieser Spatz am Tag der Auferstehung sich bei Gott über diesen Menschen beschweren.“ Das wird im Normal­fall so interpretiert, dass, wenn mit dem Tod eines Lebewesens keinerlei „Nutzen“ verbunden ist, man sein Leben nicht beenden dürfe. Denn auf die Frage „Was sind die Rechte der Tiere?“ soll er geantwortet haben: „Dass man sie gemäß der für erlaubte Tiere vorgeschriebenen Art und Weise tötet und sie zum Verzehr bestimmt sind. Man darf einen Vogel nicht köpfen oder mit einem Stein erschlagen.“ An anderer Stelle wird überliefert: „Der Prophet verneinte das Tö­ten eines jeden Tieres, ausgenommen die Tiere, die schädlich sind.“ In Mekka jedenfalls, dem Geburtsort des Propheten, soll überhaupt kein Tier geschlachtet werden – muslimische Pilger, die sich der Stadt nähern, ach­ten darauf, dass sie auch aus Versehen kein Lebewesen töten. Es gab auch immer wieder Ein­zel­ne, die sich für Fleischverzicht ausgesprochen haben. Der mit­telalterliche islamische Theo­loge Ghazali etwa, der bis heute zu den bedeutendsten religiösen Denkern des Islams zählt, schrieb: „Mitfühlend essen bedeutet mitfühlend leben.“

Trotzdem gilt der Islam, wie die anderen großen monotheistischen Religionen, nicht gerade als ei­ne Glaubensrichtung, die der Tierliebe und dem Vegetarismus viel Platz einräumt, und gemäß dem Koran sind alle Tiere und Lebewesen auf der Erde für den Menschen erschaffen worden, eine Sicht, die sich auch in der Bibel oder in der antiken Vorstellungswelt, etwa bei Aristo­teles, findet. Aber wie im Judentum, so betreffen auch im Islam die Speisegesetze vor allem Fleisch, so dass es für Ve­ge­ta­rier und Veganer ein Leichtes ist, sie zu befolgen, und obwohl der Ve­ge­ta­ris­mus für viele Muslime nie Bedeutung hatte, haben gewisse Richtungen, etwa die Schiiten oder Mystiker wie die Sufis, vegetarische Anhänger. Einer Über­lieferung nach – nach­­zulesen etwa im vor zwei Jahren erschienenen Lexikon der Mensch-Tier-Beziehungen – kamen zu Rabi'a von Basra, die im siebten Jahrhundert lebte und die als eine der ersten Sufisten gilt, wilde Ziegen und Gazellen, und als diese vor Hasan al-Basri wegliefen, fragte sie, was er ge­ges­sen habe; als er zugab, Fleisch gegessen zu haben, soll sie gefragt haben: „Und da wunderst du dich, dass die Tiere weglaufen?“

Wie im Christentum, so gibt es heute auch im Islam einzelne Stimmen, welche die in der Ten­denz negative Tradition hinsichtlich Tieren kritsieren und sie modernisieren wollen. Viele würden denken, dass Fleisch zu essen im Islam obligatorisch sei, meint etwa der ka­na­di­sche Neuro­wis­sen­schaftler und islamische Theologe Mohamed Ghilan – doch das stimme so nicht, es gebe eine lange Tradition des islamischen Vegetarismus und des Eintretens für Tiere, be­son­ders unter den Sufis. Oft dächten Muslime auch, sie würden aufgrund der Halal-Schlachtung keinen Beitrag zur industriellen Tiertötung leisten: Das rituelle Schächten gilt vielen als die ethische Alternative zum industriellen Töten in „westlichen“ Massentierhaltungsbetrieben. Das Gefühl moralischer Überlegenheit, das viele Muslime beim Kauf „halal“-zertifizierter Pro­dukte empfänden, sei aber unangebracht. Angesichts der enormen Mengen an Fleisch- und Wurst­waren, die täglich in muslimischen Lebensmittelläden verkauft werden, müsse das ro­man­ti­sierte Bild vom Tier, das nach einem erfüllten Leben auf sattgrünen Weiden erst sanft beruhigt und dann vom Metzger quasi überrascht werde, revidiert werden – zudem gilt, so Ghilan: „Die Milch, die du trinkst, wird wahr­schein­lich von einer Kuh produziert, die aufgrund des Missbrauchs, den sie erfährt, nur ein Vier­tel ihrer natürlichen Lebenszeit leben wird.“ Die städtische Bevölkerung des 21. Jahr­hunderts allerdings lebe zunehmend in einer „Blase“, weitgehend ab­ge­koppelt von jeglichem Bewusst­sein für die Herkunft ihrer Lebens­mittel und der daraus ent­ste­hen­den Ver­ant­wort­ung. Nach seiner Auf­fas­sung ist das „Halal“-Sie­gel nichts anderes als das mus­li­mi­sche Äqui­va­lent dieser Blase. Muslime müssten, so fordert er, sich der un­an­ge­neh­men Wahr­heit stellen, eben­falls Teil einer monströsen Pro­duktions­kette zu sein, in der Tiere zu dem alleinigen Zweck ge­züchtet würden, unsere Gier nach Fleisch zu stillen – gleiches gelte na­tür­lich auch für Fisch und die Er­zeugung von Eiern und Milch­pro­dukten. Für ihn ist die Kon­sequenz klar: Er plä­diert für Ve­ga­nis­mus. Im Zu­ge dessen ver­weist er auch auf die tier­freundlich­en Über­liefer­ungen im Islam und weist darauf hin, dass der Gründ­er dieser Religion für sein Mit­ge­fühl ge­gen­über Tieren be­kannt war.

Ghilans Artikel „The Halal Bubble and the Sunnah Imperative to Go Vegan“ hat für Auf­merk­sam­keit ge­sorgt und dem Wissenschaftler auch viel Kri­tik ein­ge­bracht, nicht zu­letzt auf­grund seines Plä­doyers für den Ve­ga­nis­mus. Doch er hat damit eine De­batte an­ge­stoßen, das Thema wird dis­ku­tiert, auch hier­zu­lan­de. So warf etwa IslamiQ, das deutsch­sprachige Fach­magazin rund um die The­men Islam und Mus­lime in Deutsch­land und Euro­pa, im Juni die Frage auf: „Wäre der Prophet Mu­ham­mad heute Ve­ga­ner?“, und die Autorin des Ar­tikels for­derte: „Mus­lime müssen ihre Ess­ge­wohn­hei­ten über­den­ken.“


MenschTier.jpgDie Merguez ist eine Wurstspezialität aus dem Maghreb. Die Bezeichnung kom­mt aus dem Arabischen (مرقاز) und bedeutet schlicht „Würstchen“. Unsere Va­ri­an­te ist genau wie ihr Vorbild schön scharf und würzig – aber sie hat einen ent­schei­den­den Vorteil: Sie ist vegan. Wir verlosen heute fünfmal fünf Pa­ckung­en Vegane Merguez! Außerdem verlosen wir zwei Ex­em­plare des Lexikons der Mensch-Tier-Beziehungen von Arianna Ferrari und Klaus Petrus.

Steven Rosen: Die Erde bewirtet euch festlich. Vegetarismus und die Religionen der Welt, Satteldorf 1992, S. 78f.

Aysha Khan: On Eid al-Adha, questioning Muslims’ passion for meat, usatoday.com, 12.6.2016.

Katharina Beneladel: Ramadan 2017: Massentierhaltung und Islam vereinbar?, islamiq.de, 4.6.2017.

Halima Krausen: Islam, in: Arianna Ferrari, Klaus Petrus (Hg.): Lexikon der Mensch-Tier-Beziehungen, Bielefeld 2015, S. 178-180, S. 179.

Seyyed Mohammad Nasser Taghavi: Tierrechte im Islam. Vortrag im Hegelsaal des Philosophischen Seminars der Universität Heidelberg, 5.7.2007, S. 8.

Steven Rosen: Die Erde bewirtet euch festlich. Vegetarismus und die Religionen der Welt, Satteldorf 1992, S. 82.

Mohamed Ghilan: The Halal Bubble and the Sunnah Imperative to Go Vegan, almadinainstitute.org, 16.5.2016. – Podcast zum Thema: Would the Prophet Muhammad Be Vegan Today?, mohamedghilan.com, 26.7.2016.

Die Speisevorschriften des Islam sind im Koran und in der Sunna geregelt. Halāl (حلال), also „erlaubt“ oder „zulässig“, sind alle Lebensmittel, die nicht ausdrücklich verboten wurden. Wie im Judentum, so gibt es auch im Islam ein Verbot des Genusses von Blut. Mit dem Schächten soll das möglichst rückstandslose Ausbluten des Tieres gewährleistet werden.